Wissenschaft zum Anfassen: Bodensensoren machen Klimawandel sichtbar
Die Hillerschule in Steinheim ist die erste Geoparkschule des UNESCO Geoparks Schwäbische Alb im Landkreis Heidenheim, die mit einer eigenen Messstation zur Erfassung von Klimadaten ausgestattet wurde. Zwei Bodensensoren messen ab sofort in 10 cm und 40 cm Tiefe kontinuierlich die Bodenfeuchtigkeit und -temperatur – ein innovativer Schritt hin zu praxisnaher Umweltbildung und partizipativer Klimaforschung.
Klimawandel im Klassenzimmer erlebbar machen
Ziel des Projekts ist es, die Auswirkungen des Klimawandels durch direkte Beobachtungen und Messungen im Schulumfeld sichtbar zu machen. Besonders in den vermehrt heißen Sommermonaten, in denen Dürreperioden und Wassermangel spürbar zunehmen, können Schülerinnen und Schüler Veränderungen künftig nicht nur theoretisch, sondern in Echtzeit auf dem eigenen Schulgelände nachvollziehen.
Citizen Science: Mit Forschung gegen die Klimakrise
Das Projekt wurde vom UNESCO Geopark Schwäbische Alb initiiert und gemeinsam mit „open science for open societies“ (os4os) umgesetzt. Die Sensorik misst Bodenfeuchtigkeit und -temperatur sowie die Leitfähigkeit. Die erhobenen Daten werden per LoRaWAN – einer Funktechnologie, die auch für das Internet der Dinge genutzt wird – übertragen. Die Bodensensoren liefern kontinuierlich Daten zur Bodenbeschaffenheit und ermöglichen es, lokale Klimaveränderungen langfristig zu dokumentieren. In Kombination mit den Wetterdaten des Deutschen Wetterdienstes entsteht ein umfassendes Bild über das spezifische Klima vor Ort. Diese Daten sind öffentlich zugänglich und können später bei wissenschaftlichen Fragestellungen genutzt werden.
„Die Technik ist eigentlich ganz einfach“, erklärt Reiner Braun, Projektleiter bei os4os. „Schülerinnen und Schüler können damit live beobachten, was vor Ort im Boden passiert – und das in ihren eigenen Dashboards.“ Die Daten bieten vielfältige Einsatzmöglichkeiten im Unterricht, von der Bodenanalyse über Datenvisualisierung bis hin zur Informatik und dem Thema Internet of Things. „Probiert’s aus, seid erfinderisch, stellt eigene Fragen – ich bin gespannt, was die Schulen daraus machen“, so Braun.
Schule wird zum Forschungslabor
Mit dem Einzug der Messtechnik in den Schulalltag verfolgt die Hillerschule einen klaren Plan: Die Sensoren sollen nicht nur Daten liefern, sondern Ausgangspunkt für eigenständige Forschungsprojekte sein. Schülerinnen und Schüler lernen, Messreihen zu interpretieren, eigene Fragestellungen zu entwickeln und Veränderungen im lokalen Bodenklima zu erkennen.
Die Daten fließen in den naturwissenschaftlichen Unterricht ein, etwa in Biologie, Geographie oder Informatik, und werden bei Gelegenheit über den Instagram-Kanal „nature_influecer_hillerschule“ veröffentlicht. So wird die Klimaforschung Teil des Schulalltags und fördert das Verständnis für lokale Umweltveränderungen.
Vernetztes Lernen mit Wirkung
Das Karl-von-Frisch-Gymnasium ist Teil des Geoparkschulen-Netzwerks im UNESCO Geopark Schwäbische Alb. Weitere Schulen werden im Laufe des Jahres mit Sensoren ausgestattet. Die gesammelten Daten stehen allen beteiligten Schulen zur Verfügung – über Schul- und Regionsgrenzen hinweg. Damit entsteht ein wachsendes Netzwerk, in dem Bildung, Wissenschaft und Klimaschutz Hand in Hand gehen. So fördert das Projekt fächerübergreifendes, praxisorientiertes Lernen und stärkt die Wahrnehmung und das Bewusstsein der Schülerinnen und Schüler für die klimatischen Veränderungen vor ihrer Haustür.







