17
Jan 2019

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Smartphones – nutzen kann sie jeder, aber auch beherrschen?

Eine Frage, die zunächst jeder Smartphone-Besitzer – knapp 97% der deutschen Haushalte besitzen ein solches – mit einem klaren „JA!“ beantworten würde.

Doch nicht umsonst untersagt unser Gesetz die Nutzung solcher Geräte vor Vollendung des 16. Lebensjahrs – wer vorher eines besitzt und nutzt, handelt im Namen seiner Erziehungsberechtigten, die die volle Verantwortung für jegliche Handlung mit dem Smartphone tragen. Welcher Smartphone-Nutzer hat beispielsweise Kenntnis davon, dass er nach nur zwei bis drei Minuten anhand seines Tippverhaltens bereits identifiziert werden kann? Oder dass beispielsweise Google anhand des individuellen Nutzungsverhaltens entscheidet, welche Werbung, welche Angebote, Preise und Informationen der jeweilige Nutzer erhält? Die Tragweite dieses „Fingerabdrucks“ kann durchaus bereits unter den Begriff der Meinungsmanipulation fallen, so auch im Wahlkampf, aus dem Donald Trump als Sieger hervorging, geschehen. Wer ist sich der Tatsache bewusst, dass mit jeder Anmeldung mittels des Facebook-Accounts auf einer anderen Website die Genehmigung zur Verwendung der eigenen Daten, der eigenen „Freunde“ sowie der „Freunde“ der „Freunde“ einhergeht?

Über all jene Gefahren, die Smartphone und Internet mit sich bringen, klärte am 15.01.19 Hr. Uwe Buermann im Rahmen von Workshops und Vorträgen für SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen an der Hillerschule auf. Uwe Buermann ist seit 22 Jahren pädagogisch-therapeutischer Medienberater und Autor zahlreicher Beiträge und Ganzschriften, die sich mit dieser Thematik auseinandersetzen.

Dabei stand insbesondere die „Medienkompetenz“ als Schlüsselqualifikation unserer heutigen Zeit im Mittelpunkt. „Die Medienwelt mit all den tollen Möglichkeiten, aber eben auch mit all den Gefahren, trifft [unsere Kinder] gleich mit voller Wucht. Deshalb müssen wir uns wirklich Gedanken machen, wie wir uns und vor allem auch unseren Kindern helfen können, diese Kompetenz zu erwerben“, so Buermann.

Diese Tatsache bringt umso höhere Ansprüche an die Erziehungsberechtigten mit sich, die vom rasanten Fortschritt dieser Technik gewissermaßen überrollt wurden – das erste Smartphone erschien vor 12 Jahren! Heute sind 21% der Gesamtbevölkerung internetsüchtig. Pro Tag sterben 1,4 Menschen im Straßenverkehr infolge von Handynutzung. Die Auswirkungen auf den Alltag von Kindern und Jugendlichen lassen sich schon jetzt nicht mehr leugnen: Kinder bis zu einem Jahr entwickeln frühkindliche Bindungsstörungen, wenn das Fütterungsverhalten durch die gleichzeitige Nutzung des Smartphones beeinflusst wird. Eine solche hat wiederum häufig eine Suchtkarriere zur Folge. Bei Zwei- bis Fünfjährigen reichen zehn Minuten Medienkonsum, um eine Sprachentwicklungsstörung auszulösen. Studien ergaben, dass 69,5% der Kinder dieses Alters sich nicht mehr selbst beschäftigen können sowie unter Langeweile, Unruhe und starker Ablenkbarkeit leiden. Kinder von acht bis dreizehn Jahren entwickeln bereits eine Hyperaktivität, leiden ebenfalls an Unruhe und neigen zu starker Ablenkbarkeit.

Eltern und Erziehungsberechtigte tragen die Verantwortung für ihre Kinder, weshalb die elterliche Fürsorgepflicht in der heutigen Zeit auch eine digitale Fürsorgepflicht beinhalten muss.

(TIPPS zum sicheren Surfen finden Sie hier)